Wer die Romane und Erzählungen von Autorenlegenden wie Paul Auster, Jon Krakauer, Stewart O'Nan und Nick McDonell für die großen Verlage ins Deutsche überträgt, hat es als Übersetzer geschafft: Thomas Gunkel aus Treysa, der vor fast 30 Jahren nach seinem Germanistik- und Geografie-Studium in Marburg durch Zufall in diesen Beruf rutschte, zählt heute zu den begehrtesten Übersetzern für britische und amerikanische Literatur in Deutschland.

Bereits zum vierten Mal ist er zu Gast an der Melanchthon-Schule, um im Rahmen zweier Workshops am 6. Februar 2020 den Schüler*innen der Englisch-Orientierungskurse in der E-Phase von den Freuden und Tücken seines Metiers zu berichten.

Interessant und authentisch erzählt Gunkel vom typischen Ablauf seiner Aufträge: vom Kontakt zum Verlag, den Vertragsverhandlungen über Seitenhonorare, die Zusammenarbeit mit den Lektoren, die zahlreichen Zwischen- und Endkorrekturen bis hin zur Veröffentlichung des fertig gedruckten oder digital publizierten Buches. Spannend für die Schüler*innen sind auch die Diskussion über die Verwendung diverser Online-Übersetzungshilfen sowie seine Empfehlungen einiger hilfreicher Webangebote und verschiedener Wörterbücher und Lexika, die er selbst für seine tägliche Arbeit verwendet.

Thomas Gunkels Faszination für Sprache und das geschriebene Wort ist ansteckend und so ist heute etwas zu erleben, das in den höheren Klassen nicht unbedingt immer die Regel ist: Die Schüler stürzen sich mit sichtbarer Lust auf die Aufgabe, ihr Können mit dem des Profis zu messen und sich selbst an ein paar Absätzen literarischer Übersetzung zu versuchen, einer Disziplin, die im Englischunterricht in dieser Form sonst nur selten gefragt ist.

In Kleingruppen ringen die jungen Wortakrobaten darum, nicht einfach nur eine Übersetzung abzuliefern, sondern den richtigen Ton der Erzählerfigur zu treffen und die englischen Wortspiele angemessen und möglichst ebenso lustig wie im Original ins Deutsche zu übertragen.

Seinen Abschluss findet der Workshop in der Präsentation der vom Experten als besonders gelungen empfundenen Schüler-Ergebnisse und dem anschließenden Vergleich mit Gunkels offizieller Übersetzung, wie sie schließlich im Druck erschienen ist.

Wir danken Thomas Gunkel für seine angenehme und motivierende Art, das Thema Übersetzung für unsere Schüler*innen lebendig werden zu lassen, dem Förderverein für die finanzielle Unterstützung des Projektes und Herrn Harald Grede für die Organisation des Tages.