Schule nimmt wieder (analog) Fahrt auf und wird dann gleich wieder unterbrochen von der Fahrt Jesu Christi in den Himmel. Das passt natürlich zur Religion. Denn die kürzeste Definition von Religion lautet ja „Unterbrechung“. Menschen unterbrechen ihren Alltagstrott durch ein Gebet oder eine Stille. Oder Festtage wie Weihnachten, Ostern oder Hochzeiten unterbrechen das übliche Alltagsleben. Und auch das tägliche Läuten der Glocken um 19.30 Uhr unterbricht unser Leben gegenwärtig. Und nun unterbricht uns Christi Himmelfahrt.

Als freier Tag ist Christi Himmelfahrt durchaus geschätzt, aber als religiöser Feiertag kommt er doch eher komisch daher. Zu unwahrscheinlich scheint uns das, was sich damals ereignet haben könnte. Dennoch Christi Himmelfahrt ist ein freier Feiertag. So oder so wird im Grünen gefeiert. Natürlich – Eigenwerbung soll an dieser Stelle bewusst sein – sind einige Gottesdienste an Himmelfahrt diesjährig besonders. Denn nach einigen Wochen können Gottesdienste wieder miteinander in halbwegs vertrauter Weise gefeiert werden. Und draußen im Grünen bannt man zudem die Ansteckungsgefahr.

Christi Himmelfahrt. Jesus Christus fährt in den Himmel auf. Willst du was gelten, mach dich selten, oder was? Ja, man hat schon den Eindruck. Wer besonders ist, der muss sich auch mal entfernen. Weg von allem und jeder und jedem. Nur so wird man bestaunt. Vielleicht. Das klingt etwas arrogant für Jesus. Das stimmt. Aber für Jesus Christus, den Auferstandenen, stimmt dies vermutlich nicht. Der will weg, der muss weg. Den hält nichts mehr auf der Erde. Nur wenn ich nicht mehr unmittelbar um euch und bei euch bin, dann merkt ihr, welche Chance euch das bietet.

Ich flechte hier mal den biblischen Text ein, um mich verständlich zu machen: „Jesus führte sie, die Jüngerinnen und Jünger, aber hinaus bis nach Betanien und hob die Hände auf und segnete sie. Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel. Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.“ (Lukas 24, 50-53)

So ging Jesus Christus mit den Jüngerinnen und Jüngern damals um. Erst segnen, dann sich aus dem Staub machen. Zugegeben: „Aus dem Staub machen“ passt jetzt nicht so ganz zu der Sache mit der Wolke. Christus ist weg, aber die Jüngerinnen und Jünger sind überhaupt nicht sauer. Ganz im Gegenteil. Was machen Sie? Sie beten ihn an und sind bester Laune.

Ich hätte natürlich zu gerne Mäuschen bei den Gebeten der Jüngerinnen und Jünger gespielt. Der Wortlaut der Gebete hätte mich unglaublich interessiert. Aber Anbetung ist halt Anbetung. Sie haben den Auferstanden gelobt und gepriesen. Willst du was gelten, mach dich selten. Und von da an kommt die christliche Kirche ins Rollen. Ich glaube ja, dass dieses leibliche Verschwinden von Jesus uns als Kirche guttut. Kirche wird dadurch erwachsener. Christinnen und Christen nehmen die Dinge selbst in die Hand und trostbedürftige Menschen an die Hand.

Denn was die Kirche von Jesus Christus gelernt hat, das gilt ja. Gelten, gilt – man merkt die Verbindung. Christinnen und Christen glauben ganz fest, dass Jesus bei Gott im Himmel ist. Und weil dies so ist, richten wir uns an dem aus, was er vorgelebt hat. Spüren dem nach – mal besser, mal bescheidener. Immer im festen Vertrauen darauf, dass Kraft vom Himmel ausgeht. Also von dem, der sich damals rar gemacht hat, um uns an den Start zu bringen.

Das ist für mich die Botschaft von Christi Himmelfahrt: Gott gibt uns frei. Ihr seid frei, die Erde nach den guten Maßstäben Jesu zu gestalten. Und ihr geht ja nicht allein: Den Segen habt ihr schon und mein Geist kommt ja spätestens an Pfingsten. Gut, dass Gott uns so sieht – und uns so gelten lässt!

Bleibt behütet. Amen.