„Wie können wir Hass entgegentreten? Wie können wir Engagement befördern?“ Mit diesen Worten eröffnete Jürgen Junker den ersten digitalen Schüler*innen-Kongress der Barbara-Schadeberg-Stiftung am 25. und 26 März 2021 in der Immanuelskirche in Bochum. Als Leitlinie diente die Jahreslosung der evangelischen Kirche – Jesus Christus spricht: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ (Die Bibel: Lukas 6, Vers 36). Barmherzigkeit wird als aktives Handeln verstanden, das mehr ist als ein Mitleidsempfinden. Wie können wir Mitmenschlichkeit befördern und wie können wir Hartherzigkeit entgegenwirken? Diese Fragen machen den zweiten Kontext des Kongresses deutlich, den von der UNO seit 1979 ausgerufenen Internationalen Wochen gegen Rassismus (in diesem Jahr vom 15.03. – 28.03.2021).

Ziel dieser zwei Tage war es, Schüler*innen evangelischer Schulen für die Möglichkeiten politischer Partizipation zu sensibilisieren und zu verdeutlichen, wie wichtig jede Form des gesellschaftlichen, sozialen u.a. politischen Engagements ist. Dies geschah ganz praktisch, indem Schüler*innen die Möglichkeit hatten in Podiumsgesprächen und Workshops in Kontakt zu u.a. von Rassismus betroffenen Menschen zu treten, mit diesen ins Gespräch zu kommen und die Veranstaltung mitzugestalten, einzuleiten oder zu moderieren.

Da war zum einen der thematische Schwerpunkt „Black lives matter“, zu dem zu Beginn des zweiten Kongresstages die bekannte Moderatorin und Autorin Mo Asumang zu Wort kam. Unsere Schülergruppe, in deren Verantwortung dieses Format lag, hatte sich im Vorfeld mit ihr beschäftigt und viele erkenntnisreiche Daten über den Lebensweg der Moderatorin erfahren. Vor diesem Hintergrund stellten Maren Engelbrecht und Adrian Wölk der Klasse 9c der Melanchthon-Schule Steinatal die biographischen Daten von Frau Asumang dar:

„Mo Asumang wurde am 13. Juni 1963 als Tochter einer Deutschen und eines Ghanaers in Kassel in Nordhessen geboren. Ihr Abitur machte sie am Goethe-Gymnasium in Kassel. Nach ihrem Studium arbeitete sie u.a. als Moderatorin und Schauspielerin, bevor sie 2004 die MA Motion Filmproduktion gründete. Seit 2014 ist Mo Asumang ehrenamtliche Botschafterin gegen Rassismus, bekam 2016 den Verdienstorden des Landes Berlin und 2019 das Bundesverdienstkreuz. Zudem ist Frau Asumang Mitglied des Schulnetzwerkes Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage.“ [Wikipedia]

Zu Beginn erläuterte Frau Mo Asumang besonders eindrücklich, warum es ihr ein solches Anliegen ist, sich mit alltäglichem Rassismus auseinanderzusetzen und zu erfahren, was die Ursachen für diesen Fremdenhass sind. Eine sehr persönlich gemeinte Morddrohung der Neonaziband White Aryan Rebels motivierte sie endgültig, sich aktiv mit der Thematik des Rassismus auseinanderzusetzen. Frau Asumang recherchierte und so entstand die Idee für ihr Buch und den Film „Mo und die Arier“. Diesen Film konnten wir in der 45-minütigen Schulfassung sehen. Er klärt schonungslos über viele Mythen der rechten Szene auf. Wohl am eindrücklichsten ist die Passage, in der Frau Asumang erläutert, dass der Begriff „Arier“ auf ein zentralasiatisches Hirtenvolk im alten Iran zurückzuführen ist und von den Nationalsozialisten sowie den heutigen rechtsradikalen Gruppierungen in einem völlig falschen Kontext verwendet wurde und auch noch heute wird. Sie führt aus, dass „deutsch“ nicht „arisch“ sei und dass es sich dabei um einen „Vorläufer“ der heutigen „fake news“ handele. An die Filmvorführung schloss sich eine sehr lebendige und facettenreiche Diskussion an, die durch unsere Schüler*innengruppe geleitet wurde.

Am Nachmittag des ersten Kongresstages hatten unsere Schüler*innen bereits ein besonders eindrucksvolles Erlebnis gehabt: Die Fotografin Alea Horst berichtete über ihre Erfahrungen in Flüchtlingscamps und über ihre persönliche Unterstützung flüchtender Menschen in Not. Sie untermauerte ihre Ausführungen durch eigenes Fotomaterial, welches den Schüler*innen die Ausweglosigkeit und Dramatik der flüchtenden Menschen vor Augen führte. Im Besonderen ging Frau Horst auf die Situation flüchtender Menschen in Bosnien ein und berichtete hier von der viel zitierten „Balkanroute“. Dazu zeigte sie Fotografien ihrer aktuellen Ausstellung „Post aus Lesbos“, in der sie über die menschenunwürdigen Zustände in dem Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos berichtete. Frau Horst gelang es in besonderem Maße die Schüler*innen für die individuellen Schicksale der flüchtenden Menschen zu sensibilisieren. Sie formulierte im Rahmen ihres Workshops eindeutig, dass es dringend notwendig ist, die überfüllten Flüchtlingslager zu evakuieren, den Flüchtenden eine sichere Flucht zu ermöglichen und keine „Push-Backs“ durchzuführen. 

Maren Engelbrecht, Schülerin der 9c, kommentiert die Fotos von Alea Horst wie folgt:

„Die Berichte und Fotos über die Umstände von Menschen auf der Flucht waren sehr bedrückend und gleichzeitig enorm einprägsam. Es wurde sehr deutlich, dass wir in Europa mehr Schutz für Geflüchtete gewährleisten müssen.“ Maren zitiert hier zur Verdeutlichung Frau Horst mit einem für sie sehr prägenden Satz: “Menschenrechte gelten für alle, nicht nur für Europäer!“

Diese erschütternden Eindrücke wurden ergänzt durch ein Leuchtturmprojekt im Bereich der Seenotrettung: UNITED4RESCUE – Gemeinsam Retten e.V. Hierbei handelt es sich um ein breites Bündnis zur Unterstützung der zivilen Seenotrettung, das eine Vielzahl gesellschaft- licher Organisationen und Gruppen vereint, die alle das gleiche Ziel verfolgen: „Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt.“  So hatte es Pastorin Sandra Bils auf dem Abschluss- gottesdienst des Evangelischen Kirchentages 2019 in Dortmund formuliert. Die Evangelische Kirche wurde eine engagierte Unterstützerin dieses lebensrettenden Bündnisses. Stellvertretend für sie und das Bündnis kam auf dem Kongress Pfarrer Rafael Nikodemus zu Wort.

Hier noch eine persönliche Stimme der Melanchthon-Schüler*innen:

Adrian Wölk (Klasse 9c der Melanchthon-Schule Steinatal): „Ich fand den Kongress sehr informativ, spannend, aber auch teilweise erschreckend. Außerdem finde ich, dass der Kongress sehr gut geplant und geleitet wurde. Mein persönliches Highlight war der Part mit Frau Asumang, denn ich sollte mich im Vorhinein schon auf sie vorbereiten, um sie vorzustellen und bereits ab diesem Zeitpunkt hat mich ihre Art schon überzeugt und deshalb habe ich mich sehr darüber gefreut.“

Teilnehmende Schüler*innen der Melanchthon-Schule:
Klasse 9c: Maren Engelbrecht und Adrian Wölk
Qualifikationsphase (Q2): Lilyana Göring, Hannah Rüttgers und Leah Weidemeyer

Betreuende Lehrkraft: Anke Kurz (April 2021)