Wahrnehmungs- und wertorientierte Schulentwicklung (WWSE®) ist ein in seinen positiven Auswirkungen quantitativ und qualitativ evaluiertes Entwicklungskonzept, das bislang an über 700 allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Deutschland, Österreich, Tschechien und der Schweiz umgesetzt wurde. Es ermöglicht sowohl eine bedarfsorientierte Erarbeitung als auch die Sicherung von Schulqualität.

Zunächst werden die tatsächlichen Bedürfnisse der Personengruppen der einzelnen Schule (Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Eltern) ermittelt. Dies geschieht über die Wahrnehmung von Merkmalen einer idealen Schule sowie der Übertragung dieser Ideale auf die Situation an der eigenen Schule. Hierbei wird ein schulartspezifischer, empirisch abgesicherter Fragebogen, der zentrale Gütekriterien der Schulqualitätsforschung in den Bereichen Organisations-, Personal- und Unterrichtsentwicklung enthält, eingesetzt. Die Gütekriterien werden hierbei anhand einer fünfpoligen Ratingskala gewichtet. Die auf diese Weise erhobenen Wahrnehmungsergebnisse enthalten fundierte Hinweise auf die tatsächliche Bedarfslage an der Einzelschule. Über eine moderierte interne Diskussion und Analyse dieser Resultate können die Personengruppen passgenaue Ziele innerer Schulentwicklung eigenständig festgelegen, in konkreten Vorhaben kooperativ umsetzen und nach drei bis vier Jahren im Rahmen einer Wiederholungsmessung evaluieren.

Die von den Lehrkräften, den Schülerinnen und Schülern sowie den Eltern der Melanchthon-Schule im Juli 2022 dargelegten Wahrnehmungen von Merkmalen einer idealen Schule verdeutlichen, dass die Ideale einer guten Schule in ihrer Bedeutung hoch eingeschätzt wurden. Dies gilt insbesondere für die Lehrkräfte und Eltern der Schule. Erfahrungsgemäß beurteilen Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe die ideale Schule nicht ganz so hoch. Verglichen mit diesen Idealwahrnehmungen wurde die Realität an der Melanchthon-Schule etwas niedriger eingeschätzt. Die bislang durchgeführten Untersuchungen im Rahmen von Wahrnehmungs- und wertorientierter Schulentwicklung (WWSE®) belegen, dass nicht mit einer Übereinstimmung von Ideal- und der Realitätswahrnehmung zu rechnen ist. Für die Qualität der einzelnen Schule ist entscheidend, wie hoch Gütemerkmale einer idealen Schule eingeschätzt werden und welche Distanzen sich im Hinblick auf die Wahrnehmung der Umsetzung dieser Gütekriterien an der eigenen Schule ergeben.

Die an der Melanchthon-Schule festgestellten niedrigen Distanzen der Realitätseinschätzungen zu den Idealen zeigen, dass bereits ein hohes Realitätsniveau erreicht ist. Neben den Lehrkräften, gilt dies insbesondere auch für die Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern. Deren Einschätzungen können im Sinne einer externen Evaluation als Überprüfung der Wahrnehmungen der Lehrkräfte angesehen werden. Hierbei zeigt sich, dass die positiven Einschätzungen der Lehrkräfte weitgehend bestätigt, bei einzelnen Items sogar übertroffen werden. Dies bedeutet für Schulleitung, Kollegium und Träger, dass die Schülerinnen und Schüler mit ihren Eltern mit der Arbeit der Melanchthon-Schule hoch zufrieden sind.

Für Schulleitung und Lehrkräfte der Schule ergibt sich der Auftrag, dieses bereits erarbeitete hohe Qualitätsniveau der Schule durch weitere innere Schulentwicklungsmaßnahmen zu sichern.

Eine erste wichtige Maßnahme fand am Gymnasium am 23. November 2022 im Rahmen einer moderierten Rückmeldung der spezifischen Wahrnehmungen von Werten guter Schule statt. Hierbei wurden in zwei Sitzungen individuelle Schwerpunktsetzungen durch Lehrkräfte, Eltern sowie Schülerinnen und Schüler vorgenommen. Es zeigte sich, dass sich die ausgewählten Themen auf alle drei Bereiche innerer Schulentwicklung, der Organisations-, der Personal- und der Unterrichtsentwicklung, bezogen. Die Themen werden im Verlauf der nächsten Jahre innerhalb der einzelnen Gruppen aber auch gruppenübergreifend umgesetzt.

Durch eine Wiederholungsmessung vor Ablauf der nächsten drei bis vier Jahre werden die Auswirkungen dieser weiteren bewussten inneren Entwicklungsarbeit an der Melanchthon-Schule Steinatal evaluiert. Im Anschluss an diese Zweitmessung wird die Schule das Zertifikat des Kompetenzzentrums für Schulentwicklung und Evaluation (KSE) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg erhalten.