Am Dienstag, den 24.01.2024 gegen 8:00 Uhr, fanden sich die fünften Klassen der Melanchthon-Schule in der kleinen Turnhalle ein, um am Erzählwettbewerb 2024 teilzunehmen. Unter Anleitung der Deutschlehrkräfte wurden den aufgeregten Schreibenden die verschiedenen Schreibanreize erläutert.

Zur Auswahl standen vier unterschiedliche Schreibimpulse, welche den Kindern einen ersten Anreiz für ihre Geschichten bieten sollten. Die erste Option lud die Lernenden ein, die Geschichte hinter einem Bild zu erkunden, welches zwei junge Abenteurer auf einer Hügelkuppel zeigt. Ihr Blick geht in die Ferne über ein schneebedecktes Dorf, überragt von einem mächtigen Schloss. Auf welche Geheimnisse die Abenteurer hier wohl stoßen werden? Eine andere Herangehensweise bot der vorgegebene Erzählanfang. Hierbei sollten die Lernenden der fünften Klassen eine Geschichte vervollständigen, bei welcher sich zwei Freunde in einem düstern Wald verlaufen, aber nach ein paar Irrwegen auf eine im Wald verborgene Lichtung stoßen. Für mehr kreative Freiheit wurde den Schreibenden im dritten Impuls lediglich die Überschrift „Das mysteriöse Dorf“ vorgegeben. Abschließend sei noch der vierte Schreibansatz zu erwähnen. Hierbei handelte es sich um eine Reizwortkette mit dem Fokus auf einer winterlich-mysteriösen Atmosphäre und märchenhaften Motiven in Form der Wörter „Wald, Dorf und Burg“. Für die nötige Spannung sorgt eine ominöse „Überraschung“ am Ende der Wörterkette.

Mit diesen Ideengebern im Gepäck hatte die fünfte Jahrgangsstufe bis 10:00 Uhr die Gelegenheit, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen. Da allen Beteiligten bewusst war, dass eine Erkundungsreise der eigenen Vorstellungskraft eine anstrengende intellektuelle Aufgabe ist, folgte, um das Gleichgewicht zwischen Körper und Geist wiederherzustellen, nach einer kleinen Frühstückspause ein Spaziergang durch das Schwälmer Umland.  

Parallel hierzu tagte eine ausgewählte Jury, bestehend aus dem Deutsch LK von Herrn Heubel, um sich der fast nicht zu bewältigenden Aufgabe zu widmen, aus den durchweg fantasievollen und kreativen Erzählungen für jeden der vier Schreibanreize die drei besten zu wählen.  

Nach reiflicher Überlegung fanden sich alle Teilnehmenden um 11:30 Uhr erneut in der kleinen Halle ein, um die jeweiligen Sieger zu küren. 

 

Als gelungenste Erzählungen galten in Bezug auf die jeweiligen Themenbereiche: 

Bildimpuls:
1. Jonathan Pollmeier, 2. Annemarie Altmann, 3. Lennart Schäfer 

Erzählanfang:
1. Tamia Fanelli, 2. Elise Eisenhut, 3. Lennard Gonther 

Überschrift:
1. Paula Gonther, 2. Karlina Kirst, 3. Julian Manz 

Reizwort:
1. Sophia Ernst, 2. Greta Daum, 3. Carlo Thiel

Allen Siegerinnen und Siegern wurde ein Preis in Form einer Urkunde verliehen. Die vier Erstplatzierten durften sich darüber hinaus, als besondere Würdigung ihrer Leistung, aus einer ausgewählten Zusammenstellung von Kinder- und Jugendliteratur ein Werk aussuchen.  

Darüber hinaus haben die Erstplatzierten ihre Erzählung allen Kindern vorgetragen, sodass über die gelungenste Erzählung abgestimmt werden konnte. Die Mehrheit entschied sich für die im Anschluss abgedruckte Erzählung „Die unheimliche Burg“ von Sophia Ernst, die abschließend als Schulsiegerin gekürt wurde. 

Unter großem Applaus für alle Teilnehmenden und Unterstützenden endete die gelungene Veranstaltung gegen 13:00 Uhr.  

Carlo Thiel, Julian Manz, Lennart Schäfer, Lennard Gonther

Karlina Kirst, Elise Eisenhut, Annemarie Altmann, Greta Daum

Sophia Ernst, Tamia Fanelli, Paula Gonther, Jonathan Pollmeier

 (geschrieben von Julius Kanther sowie ergänzt von Leandra Pohlai; Fotos von Julia Strzemieczny und L. Pohlai)

 

Die unheimliche Burg von Sophia Ernst 

„Hey“, rief Hannah, die gerade einen Schneeball ins Gesicht bekommen hatte, „nicht ins Gesicht!“ „Doch!“, rief ihr Bruder Niko. Die zwei Geschwister spielten mit ihrem Hund Kalle im Garten. Es lag richtig viel Schnee diesen Winter. „Komm, wir gehen im Wald rodeln! An diesem großen Hügel“, sagte Hannah auf einmal. „Och nee. Ich hab' keinen Bock, und Mama und Papa wollen auch nicht, dass wir alleine in den Wald gehen“, antwortete Niko. „Bitte, bitte“, bettelte Hannah. „Ok, na schön. Aber wir gehen nur zu dem kleinen Hügel hinter unserem Haus“, verlange Niko. „Ehrenwort“, versprach Hannah. Eine Viertelstunde später waren sie da. Es machte so einen Spaß, dort runter zu rodeln. Aber dann wurde es seltsam. Die beiden stiegen auf den Schlitten und fuhren den Berg hinunter. Plötzlich verdunkelte sich der Himmel und war voller Nebelschleier. „Komm, wir gehen nach Hause“, sagte Niko und seine Stimme hatte dabei ein bisschen gezittert. Kalle zog den Schlitten hinter sich her. Der Wind blies ihnen eiskalt um die Ohren. „Wir hätten eigentlich schon längst zu Hause sein müssen“, rief Niko. „Ich glaube, wir haben uns verlaufen“, antwortete Hannah. Auf einmal fing Kalle an zu bellen. Vor ihnen lag eine Burg mit einem Dorf drumherum. „Komm, da machen wir Pause“, sagte Niko. Das Dorf sah irgendwie verlassen aus. Und so war es auch. Das Dorf war verlassen. Sie gingen in die Burg. „Ganz schön unheimlich hier“, sagte Hannah. Das stimmte sogar. Überall hingen ausgestopfte Tiere und da heulte irgendetwas. „Ist das ein Gespenst?“, fragte Hannah, doch Niko antwortete nicht. Kalle hatte auch etwas gefunden: Da stand auf dem Tisch eine Tasse mit Tee... und der Tee war warm. „Wir sind nicht alleine!“, flüsterte Niko. Plötzlich stand jemand hinter ihnen. Hannah und Niko hatten sich so erschrocken und Kalle auch. Aber es war ... „Tante Nicole!“, riefen Hannah und Niko gleichzeitig. „Kinder“, rief Tante Nicole, „Mensch, dass ihr mich hier mal besucht.“ Das war wirklich eine große Überraschung. Tante Nicole erzählte, dass sie eine Weltreise machen wollte und in einen Sturm geraten war. Sie musste hier notlanden und seitdem lebte sie in der alten Burg. „Komm doch mit zu uns nach Hause“, sagte Hannah nach einer Weile. „Wenn wir überhaupt nach Hause finden“, antwortete Niko. Alle schwiegen. „Was war das eigentlich für ein Heulen?“, fragte Hannah. „Das war Fine, mein Hund“, antwortete Tante Nicole, „wartet hier“. Auf einmal kam ein hellbrauner Labrador um die Ecke. „Oh, ist der süß“, sagte Hannah. „Ich hab's, wir können Kalle und Fine vor unseren Schlitten spannen und sie führen uns dann nach Hause“, rief Niko. Und so geschah es. Es dauerte nur eine Ewigkeit, bis sie endlich aus dem Wald draußen und wieder zu Hause waren. Mama und Papa hatten sich schon Sorgen gemacht. Aber jetzt war ja alles gut. Tante Nicole und Fine lebten von da an bei Hannah, Niko und ihren Eltern.