Ich hab' neulich geträumt
Von einem Land, in dem für immer Frühling ist
Hier gibt es Kaviar und Hummer im Überfluss
Keiner hier, der hungert, und niemandem ist kalt
In das Land, in dem für immer Frühling ist
Darf jeder komm'n und jeder geh'n, denn es gibt immer ein'n Platz am Tisch
Rotkarierter Stoff, keine weißen Flaggen mehr
Alle sind willkomm'n, kein Boot, das sinkt im Mittelmeer

Die Künstlerin Soffie singt in ihrem Lied einige Zeilen, die uns junge Menschen vor allem in den letzten Wochen sehr berührt haben. Wie schön wäre es, in einem Land zu leben, in dem dies der Fall wäre? Aber gerade die letzten Wochen und Monate haben gezeigt, dass wir bis dahin noch einen langen Weg vor uns haben. Und genau jetzt ist die Zeit, um nicht noch einmal zu schweigen, wie es in unserer Geschichte schon ein mal der Fall war. Der Rechtsruck der Gesellschaft betrifft uns in vielen Facetten unseres Lebens und macht uns Angst.

Wir als Schülerinnen haben Angst. In der Schule lernen wir von klein auf, wie eine Demokratie funktioniert, welche Werte und Rechte mit ihr einhergehen und für uns nie zur Diskussion standen. Wir lernen jeden Tag, Inhalte kritisch zu hinterfragen und uns auf Basis von Fakten eine eigene Meinung zu bilden, auch wenn diese manchmal anders ist, als die der Menschen in unserem Umfeld. Gerade in uns als Schülervertretung spiegeln sich diese demokratischen Vorgänge und Werte wider, aber leider sehen wir im Moment, dass genau diese Werte von einer rechten Gesinnung bedroht werden. Wir merken, dass das alleinige Befassen mit Demokratie in der Schule nicht mehr ausreicht, sondern wir sie schätzen und vor allem schützen müssen.

Wir als Jugendliche haben Angst vor einer Partei, die durch Menschenhass, Diskriminierung, Rassismus und Sexismus Stimmen generiert und die Vielfalt unseres Landes offenkundig zerstören will. Die AFD ist eine Partei, die in drei Bundesländern als gesichert rechtsextrem bezeichnet werden darf und an deren Spitze in Thüringen ein Mann steht, den wir als Faschisten benennen dürfen. Selbst wir, als privilegierte Jugendliche dieses Landes, fragen uns, welche fatalen Folgen eine Regierungsbildung mit der AFD hätten. Wie muss es also Menschen gehen, die dem Feindbild der AFD entsprechen, wie Menschen mit Migrationshintergrund oder Teile der queeren Community? Gerade Menschen, die vor Krieg/ Gewalt oder Bedrohungen geflohen sind und einen wichtigen Teil unserer Gesellschaft darstellen, müssen sich jetzt auch hier vor Hass und Hetze fürchten. Der Begriff der Remigration erinnert hierbei mehr an Deportation.

Aber wir als Menschen haben auch Hoffnung. Denn wie wir sehen, schätzen die Menschen, die heute hier sind, die Vielfalt und die Werte unserer Gesellschaft. Wir dürfen uns nicht auf den Hass der AFD einlassen und müssen uns jeden Tag aktiv für Liebe und ein respektvolles Miteinander entscheiden. Unsere Unterschiede sollten niemals als Fehler oder Schwäche, sondern als Stärke und Vorteil unseres Zusammenlebens gesehen werden. Wir als Menschen dürfen nicht aufhören, unsere Meinung gegen den Rechtsextremismus laut auszusprechen und sich zu wehren. Wir appellieren an euch alle: als Schüler*innen, als Jugendliche, als Menschen: Hört nicht auf laut zu sein! In ganz Deutschland zeigen hunderttausende Demonstranten, dass sie die Werte der Demokratie einhalten wollen und gegen den Faschismus einstehen. Egal welche Unterschiede uns auch trennen mögen, in einem Punkt müssen wir uns einig sein: dem Zusammenstehen gegen den Faschismus.

(Text: Anouk, Amely, Hannah & Lotte)