„Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Abgeordnete“, so eröffneten Schülerinnen und Schüler des Q2 PoWi Leistungskurses ihre Redebeiträge in ihren Rollen als Europaabgeordnete, als sie sich am 29./30.4.2024 mit dem Rechtspopulismus in Europa und dem Gesetzgebungsprozesse in der EU beschäftigten und dabei in die Rollen von Abgeordneten des Europäischen Parlaments und von Ministern und Ministerinnen der Mitgliedsstaaten schlüpften.

Engagiert diskutierten sie über europäische Maßnahmen zum Schutz der Demokratie und einigten sich nach langen Verhandlungen auf eine Verordnung. Der fiktive Vorschlag der Kommission beinhaltete eine Agentur zur Beobachtung der Demokratiegefährdung in der EU, die möglichst frühzeitig Gefahren für die Demokratie in den  Mitgliedstaaten  wie die Einschränkung der Pressefreiheit, Medienvielfalt oder der  Unabhängigkeit der Justiz erkennen und dagegen vorgehen solle. Die Rolle der Kommission übernahmen Mitarbeiter von polyspektiv, Paula Lensing und Johannes Mieth, einem Unternehmen, das im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung die Schulveranstaltung durchführte. Ermöglicht wurde diese außergewöhnliche Unterrichtsform durch die Kooperation mit Anna Stiehl von der der Jugendförderung des Schwalm-Eder-Kreises, die sich auch selbst am Planspiel beteiligte.

Den Schülern wurde durch das Planspiel bewusst, warum der Gesetzgebungsprozess der EU so zeitaufwändig ist. Da es im Europäischen Parlament keine offiziellen Koalitionen gibt, werden immer wieder für Abstimmungen neue Koalitionspartner gesucht. Außerdem scheint das EP kollegialer zu sein, da die Abgeordneten oft interfraktionell in verschiedenen Sprachen an verschiedenen Orten miteinander diskutieren. Im „Ministerrat“ des Planspiels waren Deutschland, die Niederlande, Polen, Lettland, Griechenland und Italien vertreten, von den Fraktionen im EP die Europäische Volkspartei (EVP), die Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer, die Fraktion Die Grünen/Europäische Freie Allianz sowie die Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten. Die Schülerinnen in den Rollen der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer sagten im Nachhinein: „Wir haben uns als rechte Fraktion selbst auslachen müssen, aufgrund unserer schlechten Argumente, und trotzdem werden die gewählt“. Der PoWi-Kurs war sich einig, dass der kreative Aufbau des Workshops den Lernerfolg sehr gefördert und die Perspektiven der Rollen sehr gut nachvollziehbar gemacht habe. Das Fazit lautete: „Es hat sehr viel Spaß gemacht.“

(Text: Katharina Riebeling, Hokan Hesselbarth, Stefanie Wagner)